Veröffentlicht am 1. September 2026 12 Minuten Lesezeit ITI · Hygrothermisch LCI 114A · RALI 56A · SIA 180 Aktualisiert im Juni 2026

Von innen dämmen, ohne Schäden zu verursachen

Geschützte Fassade, Stockwerkeigentümerschaft ohne Entscheidungsfähigkeit, zu bewahrender architektonischer Ausdruck: Wenn die Aussendämmung nicht möglich ist, bleibt die Innendämmung (ITI) der Weg. Es ist die konzeptionell anspruchsvollste Dämmtechnik — nicht weil sie kompliziert anzubringen ist, sondern weil sie die Bauphysik der Wand verändert. Dieses Dossier erklärt, wann die ITI gerechtfertigt ist, was in der Wand passiert, welche Systeme zu wählen sind und wo sich Schäden entwickeln.

In diesem Dossier

Wann die ITI notwendig ist — und wann nicht

Beginnen wir mit einer klaren Feststellung: die Aussendämmung (ITE) bleibt die Referenzlösung, wann immer sie möglich ist. Sie hält die Wand warm, behandelt Wärmebrücken durchgehend und beansprucht keine Wohnfläche. Das Genfer Recht geht in dieselbe Richtung: LCI art. 114A legt fest, dass die Dicke einer Aussendämmung an einer bestehenden Konstruktion weder bei der Berechnung der Flächenverhältnisse noch beim Gebäudeprofil noch bei den Grenzabständen mitgerechnet wird. Mit anderen Worten: In Genf ist das Gebäudeprofil kein Argument mehr gegen die ITE.

Die ITI ist also keine Bequemlichkeitswahl — sie ist der Weg, der bleibt, wenn die Fassade nicht verändert werden kann. Vier typische Situationen:

Baukultur
Geschützte oder hochwertige Fassade
Schutzzonen, Ensembles des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Gebäude mit Gesimsen, Sichtquadermauerwerk oder sichtbarer Molasse: Eine Verkleidung der Fassade ist ausgeschlossen oder wird im Vorbescheid abgelehnt. Die ITI wird zur einzigen Möglichkeit, die Wände zu dämmen.
Stockwerkeigentum
Gemeinschaftlicher Entscheid nicht möglich
Die Fassade ist gemeinschaftliches Eigentum: Die ITE erfordert einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft und eine gemeinsame Finanzierung. Ein Stockwerkeigentümer, der seine Einheit saniert, kann hingegen von innen dämmen — sofern dabei keine Schäden für das Gebäude entstehen.
Teilsanierung
Eine Wohnung, ein Raum, ein Lokal
Sanierung einer einzelnen Wohnung, Ausbau eines Dachgeschosses oder von Gewerberäumen im Erdgeschoss: Ein Gerüst und eine Fassadenbaustelle sind nicht gerechtfertigt. Die ITI erlaubt, auf Ebene der Einheit zu handeln, im Rhythmus der Innenarbeiten.
Ergänzung
Einzelne Wände eines Gesamtprojekts
Selbst bei einer Sanierung mit ITE sind gewisse Wände nur von innen zugänglich: ehemalige Brandmauern, die zu Aussenwänden wurden, Wände an engen Höfen, Giebel an der Grenze. Die ITI ergänzt dann die Hüllenstrategie.
Von innen zu dämmen bedeutet, die Kälte in die Wand zu verlagern. Die Frage ist nicht, ob Wasserdampf eindringt — sondern wie er wieder herauskommt.
Und in der Suisse romande und im nahen Frankreich? Die Logik ist überall dieselbe: ITE als Standard, ITI wenn die Fassade eingeschränkt ist. In den Westschweizer Kantonen übernehmen kommunale Reglemente und Bauinventare (architektonische Erfassungen) die Rolle der Genfer Schutzzonen. Im nahen Frankreich schreiben die Architectes des Bâtiments de France (ABF) in geschützten Perimetern oft die ITI vor; MaPrimeRénov' fördert die Wanddämmung nur im Rahmen einer begleiteten Gesamtsanierung.

Die Bauphysik der Wand: Was die ITI verändert

Eine alte, ungedämmte Wand wird von einem permanenten Wärmestrom durchflossen. Diese Verschwendung hat einen nützlichen Nebeneffekt: Die Wand bleibt warm und trocken. Die ITI unterbricht diesen Fluss — das ist ihr Ziel —, versetzt dabei aber das gesamte Mauerwerk auf die kalte Seite. Im Winter kann eine Wand, die hinter dem Verputz 12–15 °C hielt, hinter der Dämmung nahe an die Aussentemperatur absinken.

Der Taupunkt wandert in die Wand

Die Innenluft einer Wohnung enthält Wasserdampf (Küche, Duschen, Bewohner). Dieser Dampf diffundiert durch die Materialien, von innen warm nach aussen kalt. Solange die Temperatur in der Wand über dem Taupunkt bleibt, bleibt der Dampf gasförmig. Hinter einer ITI sinkt die Temperatur jedoch an der Grenzfläche zwischen Dämmung und Wand abrupt: Erreicht der Dampf diese Stelle in ausreichender Menge, kondensiert er dort. Das ist der Tauwasserausfall im Bauteil — unsichtbar, da er hinter der Vorsatzschale stattfindet.

Die Folgen entwickeln sich still: Durchfeuchtung des Mauerwerks, Schimmel auf der verdeckten Seite der Vorsatzschale, Korrosion der Befestigungen, Frostschäden an porösen Materialien — und in alten Gebäuden mit Holzdecken das Verfaulen der in die kalt und feucht gewordene Wand eingebundenen Balkenköpfe.

≈ 12 g/m³
Wasserdampf in der Luft bei 20 °C / 70 % rF — es kondensiert bereits, sobald die Luft auf eine Oberfläche mit ~14 °C trifft
−10 bis −15 °C
Temperaturunterschied an der Innenoberfläche der alten Wand, vor/nach der ITI, im tiefsten Winter
SIA 180:2014
die Schweizer Norm zum hygrothermischen Schutz: Jede veränderte Wand muss auf Kondensation überprüft werden
2 Richtungen
die Wand muss trocknen können — nach aussen (Schlagregen) und wenn möglich auch nach innen (Kapillarität)

Glaser-Verfahren reicht nicht immer — WUFI für alte Wände

Die Mindestüberprüfung ist die Glaser-Berechnung (stationäres Diffusionsverfahren, EN ISO 13788): Sie vergleicht Monat für Monat die Dampfmenge, die in die Wand eindringt, mit jener, die wieder austreten kann. Das ist das Basisinstrument — es ignoriert jedoch zwei für alte Wände entscheidende Phänomene: den von der Fassade aufgenommenen Schlagregen und den kapillaren Transport von Flüssigwasser im Mauerwerk.

Bei einer exponierten alten Wand, einer Bruchstein- oder Molassefassade oder sobald Holz in die Wand eingebunden wird, ist eine dynamische hygrothermische Simulation (z. B. WUFI, gemäss EN 15026) die einzig zuverlässige Überprüfung: Sie modelliert Stunde für Stunde Temperatur, Feuchte, Regen und Austrocknung über mehrere Jahre. Das ist eine Studie von wenigen Tagen — verglichen mit den Kosten einer wegen Schimmel wieder zu entfernenden Vorsatzschale.

Vorsichtsregel von NRG positive Keine ITI auf einer Wand, deren Feuchtezustand unbekannt ist. Aufsteigende Feuchtigkeit, rissige Fassade, gegen Schlagregen nicht dichter Aussenputz: Diese Mängel müssen vor dem Anbringen der Dämmung diagnostiziert und behoben werden. Eine auf eine feuchte Wand aufgebrachte ITI verschlimmert die Situation systematisch — die Dämmung unterbindet das Austrocknen nach innen und kühlt die Wand zusätzlich ab.

Die ITI-Systeme: vier Familien, zwei Philosophien

Alle ITI-Systeme beantworten dieselbe Frage — wie man mit Wasserdampf umgeht —, jedoch nach zwei entgegengesetzten Philosophien: den Dampf blockieren, bevor er die kalte Wand erreicht (Dampfsperre), oder ihn eindringen lassen und umverteilen, damit er ohne Schaden wieder austritt (kapillaraktive Materialien). Die Wahl hängt von der Wand, ihrer Exponierung und der Ausführungssicherheit ab, die gewährleistet werden kann.

Mineralwolle + Dampfsperre
λ ≈ 0,032–0,040 W/(m·K)
Unterkonstruktion + Gipsverkleidung · Philosophie: Dampf blockieren
Das wirtschaftlichste und am weitesten verbreitete System. Seine gesamte Zuverlässigkeit beruht auf der absoluten Durchgängigkeit der Dampfsperre: Jede Fuge, jede Durchdringung, jede Steckdose muss abgedichtet werden. Auf dem Papier leistungsfähig, verzeiht es Ausführungsfehler jedoch wenig — eine durchstochene Dampfsperre konzentriert den Dampf an wenigen Stellen der kalten Wand. Nur für wenig risikobehaftete Wände und für in dieser Technik erfahrene Unternehmen zu empfehlen.
Geklebte Verbundplatten
λ ≈ 0,022–0,035 W/(m·K)
Dämmstoff + Gipsplatte · geringe Dicke · integrierte Dampfbremse
Verbundelemente aus Dämmstoff und Gips (PUR, EPS oder verklebte Mineralwolle), mit Klebepunkten angebracht. Schnell zu montieren, minimieren sie dank leistungsfähiger Dämmstoffe den Flächenverlust. Kritische Punkte: die Fugen zwischen den Platten und die Luftschichten hinter den Klebepunkten, die die Dampfbremse kurzschliessen können. Eine sorgfältige Verlegeplanung und behandelte Fugen sind unerlässlich.
Kapillaraktiv — Kalziumsilikat, Zellenbeton
λ ≈ 0,042–0,070 W/(m·K)
Vollflächige Verklebung + mineralischer Putz · Philosophie: Feuchte steuern
Vollflächig verklebte poröse Mineralplatten, ohne Dampfsperre: Eventuelle Kondensation wird kapillar aufgenommen, umverteilt und in Trockenperioden an die Innenluft zurückgegeben. Weniger dämmend pro Zentimeter, teurer, aber tolerant gegenüber Mängeln und Unvorhergesehenem — das Referenzsystem für alte Wände und Baukulturobjekte. Die vollflächige Verklebung (keine Luftschicht) ist die Funktionsvoraussetzung.
Biobasiert — Holzfaser, Hanf
λ ≈ 0,038–0,045 W/(m·K)
Feuchtevariable Dampfbremse · gutes Feuchteverhalten
Holzfaserplatten mit feuchtevariabler Dampfbremse (die sich im Sommer für die Diffusion öffnet, damit die Wand austrocknen kann), oder direkt auf das Mauerwerk gespritzter Hanfbeton. Gute hygroskopische Kapazität, kompatibel mit altem Mauerwerk und im Einklang mit der Genfer Priorität für Materialien mit niedriger CO₂-Bilanz (LCI art. 117). Erfordern wie alle Systeme eine sorgfältige hygrothermische Planung.

Welche Dicke? Weniger, als Sie denken

Bei der ITI gilt: mehr Dämmung ist nicht besser: Jeder zusätzliche Zentimeter kühlt die Wand stärker ab und erhöht das Risiko von Kondensation und Frost. Die Praxis konvergiert auf moderate Wärmedämmwerte — typischerweise 6 bis 10 cm je nach Material —, also eine sanierte Wand mit rund U ≈ 0,25–0,40 W/(m²K). Das liegt oft unter dem SIA 380/1:2016-Grenzwert für ein saniertes Bauteil (≤ 0,20 W/(m²K)) — und der Genfer Rahmen erlaubt dies: Das RALI art. 56 verlangt die Einhaltung der SIA 380/1 «ausser in besonderen Fällen», und der Nachweis kann über die Gesamtleistung des Gebäudes statt bauteilweise erbracht werden. Die hygrothermische Studie legt die maximal zulässige Dicke fest — nicht der Dämmstoffkatalog.

Die ITI in einer Labelstrategie Eine Wand mit ITI verhindert weder ein HPE-Ziel bei der Sanierung (Wärmebedarf ≤ SIA 380/1-Grenzwerte, um 50 % erhöht, REn art. 12B), noch eine Minergie®-Rénovation-Zertifizierung, noch einen EnerPHit-Ansatz nach Bauteilen — der den Fall der Innendämmung ausdrücklich mit angepassten Anforderungen vorsieht. Die auf den Wänden verlorene Leistung wird über Dach, Fenster, Lüftung und Luftdichtheit ausgeglichen.

Die kritischen Punkte: Innenwände, Laibungen, Leitungen, Luft

Bei der ITE umhüllt die Dämmung das Gebäude durchgehend. Bei der ITI wird die Dämmebene durch die Gebäudestruktur selbst unterbrochen: Jede Innenwand, jede Decke, jede Fensterlaibung durchdringt die Dämmung. Genau dort konzentrieren sich die Wärmeströme — und die Schäden.

Kritisch
Innenwände und Decken: die konstruktiven Wärmebrücken
Innenwände und Decken, die mit der Fassadenwand in Kontakt stehen, bleiben mit der kalten Wand verbunden. An diesen Anschlüssen sinkt die Oberflächentemperatur — Schimmel an Decke und Ecke. Massnahme: Dämmrückführungen (Flankendämmung) von 50 bis 100 cm an Innenwänden und Decken, sowie Wärmebrückenberechnung gemäss EN ISO 10211 zur Überprüfung der Oberflächentemperaturen.
Kritisch
Fensterlaibungen — RALI art. 56A
Laibungen, Stürze und Rollladenkästen sind die kältesten Punkte der gedämmten Wand. Das RALI art. 56A unterwirft die Laibungen spezifischen energetischen Vorschriften — mit einem U-Wert Verglasung ≤ 1,0 W/(m²K) für geschützte Gebäude, und möglichen Ausnahmen auf Nachweis. In der Praxis: die Laibungen auch mit geringer Dicke dämmen (2–3 cm Hochleistungsplatte Typ Aerogel oder dünnes Kalziumsilikat) und den Anschluss Fensterrahmen–Dämmung durchgängig ausführen.
Vorsicht
Leitungen in der kalt gewordenen Wand
Eine in eine von innen gedämmte Aussenwand eingelassene Wasserleitung befindet sich auf der kalten Seite — Frostgefahr im Winter. Wasserleitungen müssen auf die warme Seite verlegt werden (in die Vorsatzschale oder in Innenwände). Elektrodosen durchdringen ihrerseits die Dampfsperre: abgedichtete Dosen oder eine technische Vorwand vor der Dichtungsebene vorsehen.
Vorsicht
Luftdichtheit: keine Konvektion hinter der Dämmung
Kann die Innenluft hinter der Dämmung zirkulieren (nicht geschlossene Luftschicht, an Boden und Decke nicht abgedichtete Vorsatzschale), transportiert sie ihren Dampf direkt zur kalten Wand — Konvektion transportiert deutlich mehr Feuchtigkeit als Diffusion. Die Luftdichtheitsebene muss durchgängig und angeschlossen an Boden, Decke und Fensterrahmen sein. Dies ist auch eine Voraussetzung für die tatsächliche Leistungsfähigkeit.
Die Balkenköpfe: das Detail, das über das System entscheidet In Gebäuden mit Holzdecken sind die Balken in die Fassadenwände eingebunden. Nach einer ITI befinden sich diese Einbindungen in der kalten und potenziell feuchten Zone der Wand — die Fäulnis der Balkenköpfe ist der schwerwiegendste dokumentierte Schaden bei der Innendämmung. Eine dynamische hygrothermische Überprüfung ist obligatorisch, ein kapillaraktives System wird dringend empfohlen, und in bestimmten Fällen ist eine Feuchtigkeitsüberwachung der Einbindungen angezeigt.

ITI und Genfer Baukultur: die Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts

Der von der ITI betroffene Genfer Gebäudebestand gehört grossteils zum städtischen Gürtel vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts : massiv gemauerte Gebäude — Bruchstein, Backstein, Naturstein und Molasse — mit Fassadengesimsen, Holzdecken und grosszügigen Raumhöhen. Diese Gebäude liegen häufig in Schutzzonen oder geschützten Ensembles im Sinne der LCI; Eingriffe unterliegen dort dem Vorbescheid der CMNS (Commission des monuments, de la nature et des sites — kantonale Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutzkommission), und eine Verkleidung der Fassaden ist dort in der Regel ausgeschlossen.

Drei Besonderheiten, die bereits in der Studie zu berücksichtigen sind

Molasse ist feuchtigkeitsempfindlich. Molasse, die in zahlreichen Genfer Sockeln und Fassadeneinfassungen vorkommt, ist ein weicher, poröser Stein, der empfindlich auf Frost und Feuchtezyklen reagiert. Eine schlecht konzipierte ITI, die eine Molassewand abkühlt, beschleunigt deren Verfall — auf der Strassenseite, wo sie sichtbar und geschützt ist. Die hygrothermische Studie muss den tatsächlichen Stein modellieren, nicht eine generische Wand.

Holzdecken erfordern Vorsicht. In jedem Geschoss und an jeder Fassade eingebundene Balkenköpfe: Das kritische Detail aus Punkt 04 wiederholt sich in einem Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts dutzendfach. Das ist das Hauptargument für kapillaraktive Systeme in diesem Baubestand.

Der Rechtsrahmen bietet Spielraum. Das RALI art. 56A sieht auf Nachweis Ausnahmen für geschützte Gebäude vor. Die Konformität der Gebäudehülle wird gemäss SIA 380/1 «ausser in besonderen Fällen» beurteilt (RALI art. 56) — und die Interessenabwägung zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz ist eine etablierte Praxis der Genfer Behörden. Eine massvolle und sichere ITI, kombiniert mit leistungsfähigen Fenstern, einem gut gedämmten Dach und einer kontrollierten Lüftung, ergibt ein vor dem OCEN wie vor der CMNS vertretbares Dossier.

IDC: der Hebel, der die ITI aktuell macht Viele dieser Gebäude überschreiten den IDC-Schwellenwert von 125 kWh/m²·an (450 MJ/m²·an), der den obligatorischen Audit auslöst — einige überschreiten die ab 2027 geltenden Sanierungspflicht-Schwellenwerte (180 kWh/m²·an / 648 MJ/m²·an). Wenn die Fassade nicht verändert werden kann, gehört die ITI neben Dach, Fenstern und Anlagen zu den zu prüfenden Hebeln, um den Index zu verbessern. Siehe das Dossier In Genf sanieren: IDC, Standards und Strategie →

In der Suisse romande erzeugen die kantonalen Bauinventare (Waadt, Neuenburg, Freiburg) für die Altstädte dieselben Einschränkungen — mit denselben technischen Antworten. Im nahen Frankreich führen die ABF-Schutzperimeter um historische Baudenkmäler zur gleichen Abwägung: Fassade unantastbar, Innendämmung von Fall zu Fall geprüft.

Häufige Fehler und dokumentierte Schäden

Schadensfälle bei der ITI ähneln sich: Sie gehen selten auf das Material zurück, fast immer auf einen Planungsfehler oder einen Ausführungsmangel an den Sonderpunkten. Die folgenden typischen Fälle finden sich immer wieder in der Fachliteratur und in Schadensgutachten.

Fehler Beobachteter Schaden Vorbeugung
ITI auf feuchter Wand (aufsteigende Feuchtigkeit, unbehandelter Schlagregen) Zunehmende Feuchtigkeit im Mauerwerk, Salpeter, Ablösen des Putzes, grossflächiger Schimmel hinter der Vorsatzschale Vorgängige Feuchtigkeitsdiagnose; die Ursache der Feuchtigkeit vor dem Dämmen beheben
Durchstochene oder nicht angeschlossene Dampfsperre (Steckdosen, Leitungen, Fugen, Wandanschlüsse) Konzentrierte Kondensation an den Leckstellen, lokaler Schimmelbefall, Gerüche — oft erst Jahre später entdeckt Geplantes Luftdichtheitskonzept, technische Vorwand, Kontrolle vor dem Schliessen
Überdimensionierte Dämmstärke («wenn schon, denn schon, nehmen wir 18 cm») Zu kalte Wand: Tauwasserausfall im Bauteil, Frostschäden am Mauerwerk, Zerfall weicher Steine Dicke durch die hygrothermische Studie festgelegt, nicht durch den Ehrgeiz eines U-Werts
Unbehandelte Laibungen und Innenwände Schimmel an Fensterlaibungen und in Ecken Decke/Fassade — der Kältepunkt hat sich verschoben, ist aber nicht verschwunden Systematische Dämmrückführungen, dünne Dämmung der Laibungen (RALI art. 56A)
In der kalten Wand belassene Wasserleitungen Einfrieren der Leitungen im ersten strengen Winter, Wasserschaden in der neuen Vorsatzschale Leitungen bei den Arbeiten auf die warme Seite verlegen
Vergessene Lüftung nach der Abdichtung der Wohnung Steigende Innenraumfeuchte, Kondensation an verbliebenen Kältepunkten, verschlechterte Luftqualität Lüftungskonzept (mindestens) oder kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung bei jedem ITI-Projekt
Auf eine summarische Glaser-Berechnung beschränkte Überprüfung an einer exponierten alten Wand Auf dem Papier freigegebene, in der Realität geschädigte Wand — Schlagregen und Kapillarität waren nicht in der Berechnung enthalten Dynamische Simulation (WUFI, EN 15026) für alte Wände, eingebundenes Holz, exponierte Fassaden

Diesen Schäden ist gemeinsam: Sie sind bei der Bauabnahme unsichtbar und zeigen sich erst im zweiten oder dritten Winter. Daher die Bedeutung der Planung — der Ausführende kann eine schlecht konzipierte Wand nicht mehr retten.

Was Bauherrschaften wissen wollen

Wie viel Wohnfläche verliere ich?

Rechnen Sie je nach System mit 8 bis 14 cm Gesamtdicke (Dämmung + Vorsatzschale) an jeder Fassadenwand. Für einen Raum von 4 × 5 m mit zwei Aussenwänden entspricht das etwa 0,8 bis 1,2 m². Das ist real, muss aber dem gewonnenen Komfort gegenübergestellt werden: Die Innenoberfläche der Wand steigt im Winter von 12–14 °C auf 17–19 °C, wodurch sich das Gefühl der kalten Wand auflöst und die Raumtemperatur oft um ein Grad gesenkt werden kann.

Kann ich meine Wohnung allein dämmen, ohne Beschluss der Eigentümergemeinschaft?

Grundsätzlich ja: Die ITI wird innerhalb Ihrer Einheit ausgeführt, ohne die gemeinschaftlichen Teile zu berühren — das ist einer ihrer Vorteile. Zwei Vorbehalte: das Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft prüfen (manche Eingriffe, die indirekt die Struktur oder die Fassaden betreffen, erfordern eine Information oder Zustimmung), und vor allem die Wand durch eine hygrothermische Studie prüfen lassen, da ein Feuchtigkeitsschaden in der Wand das gesamte Gebäude betreffen würde, nicht nur Ihre Einheit. Bei einem bewilligungspflichtigen Gebäude (Schutzzone, denkmalgeschütztes Gebäude) informieren Sie sich vor Baubeginn beim kantonalen Amt.

Was kostet eine ITI?

Grössenordnungsmässig, Material und Einbau, inklusive Ausführung: 150 bis 250 CHF/m² Wandfläche für eine Vorsatzschale aus Mineralwolle + Dampfsperre, 200 bis 300 CHF/m² für Verbundplatten, 250 bis 450 CHF/m² für ein kapillaraktives System wie Kalziumsilikat mit mineralischem Putz. Dazu kommen die Dämmrückführungen, die Behandlung der Laibungen und die allfällige Verlegung von Leitungen — oft 20 bis 30 % des Budgets, und genau der Teil, der über gesund oder schadhaft entscheidet. Die hygrothermische Studie macht nur einen bescheidenen Anteil am Gesamten aus.

Ist die hygrothermische Studie für ein paar Zentimeter Dämmung wirklich notwendig?

Ja — und umso mehr, je älter die Wand ist. Gerade die geringe Dicke muss begründet werden: Eine gute ITI ist eine, deren Dicke, Material und Detaillösungen für Ihre Wand geprüft wurden — mit ihrer Ausrichtung, ihrer Regenexposition und ihren Decken. Die Norm SIA 180:2014 verlangt die hygrothermische Überprüfung veränderter Wände; bei alten Wänden und eingebundenem Holz reicht eine Glaser-Berechnung nicht aus, und eine dynamische Simulation ist erforderlich. Ein paar Tage Studie gegen Jahre verborgener Schäden: Die Abwägung ist schnell gemacht.

Reicht eine ITI aus, um meinen IDC unter die Genfer Schwellenwerte zu senken?

Selten allein. Die Wände machen einen erheblichen Teil der Verluste aus, aber Dach, Fenster, Lüftung und Wärmeerzeugung wiegen zusammen mehr. Die ITI ergibt Sinn im Rahmen einer Gesamtstrategie: Der Audit (obligatorisch ab einem IDC von 125 kWh/m²·an / 450 MJ/m²·an) legt die Rangfolge der Massnahmen und deren Zeitplan fest. Eine ganzheitlich gedachte Sanierung — auch wenn sie etappenweise ausgeführt wird — ist einer isolierten ITI, die anlässlich neuer Malerarbeiten beschlossen wird, vorzuziehen.

Eine Wand, die von innen gedämmt werden soll?

Feuchtigkeitsdiagnose, hygrothermische Simulation der Wand, Systemwahl und Ausführungsdetails — die Studie vor Baubeginn kostet ein paar Tage und erspart Jahre voller Schäden. Sprechen wir über Ihre Wand.

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