Ein Gebäude, das mit fast nichts heizt. Ein bemerkenswerter Komfort zu jeder Jahreszeit. Und eine Baulogik, die sich in fünf Regeln zusammenfassen lässt.
Die Idee ist radikal in ihrer Einfachheit: Statt Wärmeverluste mit einer grossen Heizanlage auszugleichen, werden sie von vornherein vermieden. Eine sehr gut gedämmte, lückenlose Gebäudehülle nimmt die Sonnenwärme und die Wärme der Bewohnerinnen und Bewohner auf — und hält sie zurück.
Das Ergebnis: ein Gebäude, das praktisch ohne konventionelle Heizung auskommt. Die Wärme, die von Personen, Elektrogeräten und der Sonne abgegeben wird, genügt, um eine angenehme Temperatur zu halten.
Erstes Passivhaus in Frankreich, 2006. Grosse, nach Süden ausgerichtete Fensterflächen, Holzrahmenbau, Sonnenschutz durch Lamellen.
Der Passivhaus-Standard beruht auf fünf präzisen technischen Kriterien. Alle fünf sind notwendig — eines ohne die anderen genügt nicht. Genau dieses Zusammenspiel gewährleistet die Leistungsfähigkeit.
Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung verdient besondere Aufmerksamkeit: Oft missverstanden, ist sie untrennbar mit dem Passivhaus-Standard verbunden. Sie erneuert die Luft laufend und gewinnt gleichzeitig die Wärme der Abluft zurück — so entstehen keine lüftungsbedingten Wärmeverluste.
Das Paradox des Passivhauses: Wer den Energieverbrauch senken will, erhält vor allem einen bemerkenswerten Komfort. Kein Kaltluftabfall an den Fenstern. Keine kalten Oberflächen. Eine konstante Luftqualität.
Die Innenoberfläche der Verglasung bleibt mitten im Winter über 17 °C — dadurch entfällt das für gewöhnliche Gebäude typische Gefühl kalter Flächen.
Der Wärmebedarf wird in kWh pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Der Vergleich spricht für sich.
Heizwärmebedarf (PHPP-Kennwert). Der Passivhaus-Standard verbraucht rund 10-mal weniger als ein durchschnittlicher Altbau. Da die Energiebezugsfläche (SRE, Surface de Référence Énergétique) bei Passivhaus (PHPP) und Minergie® (SIA 416) unterschiedlich berechnet wird, sind die Werte als Richtwerte zu verstehen.
In der Schweiz gibt es den Passivstandard in zwei Labels. Das eine ist international — das Passivhaus Institut in Darmstadt —, das andere schweizerisch: Minergie®-P. Ihre Anforderungen sind ähnlich, mit einigen methodischen Unterschieden.
| Kriterium | Passivhaus Classic | Minergie®-P |
|---|---|---|
| Heizgrenzwert * | ≤ 15 kWh/m²·an | ≤ 70 % der Grenzwerte MoPEC 2025 (MuKEn) |
| Luftdichtheit | n₅₀ ≤ 0,6 /h | qE50 ≤ 0,8 m³/(h·m²) |
| Lüftung | Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung obligatorisch | Mechanische Lüftung vorgeschrieben (SIA 382/1:2025) |
| Fossile Brennstoffe | Zulässig (in der PER-Bilanz benachteiligt) | Verboten (Reglement 2026.1) |
| Berechnungstool | PHPP (PHI Darmstadt) | Lesosai (SIA) |
| Zertifizierung | PHI Darmstadt | Minergie® Association (CH) |
| Relevanz für die Schweiz | ✓ international anerkannt | ✓ marktführend in der Schweiz |
* Die Energiebezugsflächen (SRE) werden bei Passivhaus (PHPP, PHI Darmstadt) und Minergie® (Norm SIA 416) nach unterschiedlichen Konventionen berechnet. Ein direkter Vergleich der Zahlenwerte ist deshalb nur annähernd möglich und spiegelt nicht zwingend einen tatsächlichen Unterschied in den Anforderungen der beiden Labels wider. Minergie®-Werte gemäss Reglement 2026.1 (absolutes Minimum von 15 kWh/m²·an; Luftdichtheit qE50 gemessen gemäss EN ISO 9972:2015 + SIA 180:2014).
Eine Sanierung nach dem Passivstandard ist möglich, doch die Rahmenbedingungen des Bestands — Geometrie, Struktur, unvermeidbare Wärmebrücken — erfordern Anpassungen. Der Standard EnerPHit (Passivhaus Institut) und Minergie®-P Renovation legen dafür spezifische Ziele fest.
EnerPHit-Zielwert : ≤ 25 kWh/m²·an, also zwei- bis dreimal weniger als bei einer gewöhnlichen Sanierung, und mit unvergleichlichem Komfort.
Gültig für jeden Neubau und jede leistungsfähige energetische Sanierung: Die Logik der fünf Säulen bleibt der rote Faden.
Sanierung im Gang: Die Dämmung und die sorgfältige Ausführung der Gebäudehüllendetails bestimmen die letztliche Leistungsfähigkeit.
Konzeption, Überprüfung der fünf Säulen, Begleitung Richtung Minergie‑P oder Passivhaus — sprechen wir darüber, am besten schon ab der Vorstudie.
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