Ein Gebäude, das mit fast nichts heizt. Ein bemerkenswerter Komfort zu jeder Jahreszeit. Und eine Baulogik, die sich in fünf Regeln zusammenfassen lässt.
Das Paradox des Passivhauses: Wer den Energieverbrauch senken will, erhält vor allem einen bemerkenswerten Komfort. Kein Kaltluftabfall an den Fenstern. Keine kalten Oberflächen. Eine konstante Luftqualität.
Die Innenoberfläche der Verglasung bleibt mitten im Winter bei rund 17 bis 18 °CPHI, Kriterien v10c, § 2.4.5 «Minimum thermal protection»: Abweichung ≤ 4,2 K unter der operativen Temperatur, geprüft bei 22 °C (≈ 17,8 °C); Boden ≥ 19 °C. Passipedia: «über 17 °C» in der Praxis.Passive House Institute (PHI), Darmstadt — Criteria for Buildings — Passive House, EnerPHit, PHI Low Energy Building, version 10c — § 2.4.5 Minimum thermal protection — dadurch entfällt das für gewöhnliche Gebäude typische Gefühl kalter Flächen.

Die Idee ist radikal in ihrer Einfachheit: Statt Wärmeverluste mit einer grossen Heizanlage auszugleichen, werden sie von vornherein vermieden. Eine sehr gut gedämmte, lückenlose Gebäudehülle nimmt die Sonnenwärme und die Wärme der Bewohnerinnen und Bewohner auf — und hält sie zurück.
Das Ergebnis: ein Gebäude, das praktisch ohne konventionelle Heizung auskommt. Die Wärme, die von Personen, Elektrogeräten und der Sonne abgegeben wird, genügt, um eine angenehme Temperatur zu halten.

Erstes Passivhaus in Frankreich, 2006. Grosse, nach Süden ausgerichtete Fensterflächen, Holzrahmenbau, Sonnenschutz durch Lamellen.
Der Passivhaus-Standard beruht auf fünf baulichen Grundprinzipien. Zwei davon sind Zertifizierungskriterien des Gebäudes — der Heizwärmebedarf und die Luftdichtheit; die drei übrigen sind die Zielwerte der Bauteile im gemässigt kühlen Klima, so wie sie das Passivhaus Institut (PHI) — das Darmstädter Institut, das den Passivhaus-Standard definiert und zertifiziert — in Tabelle 2 seiner Kriterien festlegt — dem EnerPHit-Bauteilverfahren. Genau dieses Zusammenspiel gewährleistet die Leistungsfähigkeit.
Die fünf Symbole, im Klartext. U ist der Wärmedurchgangskoeffizient eines fertigen Bauteils: die Wärme, die pro Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied hindurchgeht — je niedriger, desto besser dämmt das Bauteil. Uw ist derselbe Kennwert für das gesamte Fenster, Glas, Rahmen und Einbau eingeschlossen. η (Eta) ist der Wärmebereitstellungsgrad der Lüftung: der Anteil der Abluftwärme, der an die Zuluft zurückgegeben wird. n₅₀ ist die Zahl der Luftwechsel pro Stunde bei einer Druckprüfung mit 50 Pascal — das Mass der Luftdichtheit. ψ (Psi) ist der zusätzliche Wärmeverlust einer Wärmebrücke, je Meter Anschlusslänge und Grad Temperaturunterschied.
Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung verdient besondere Aufmerksamkeit: Oft missverstanden, ist sie untrennbar mit dem Passivhaus-Standard verbunden. Sie erneuert die Luft laufend und gewinnt gleichzeitig die Wärme der Abluft zurück — so entstehen keine lüftungsbedingten Wärmeverluste.
Der Wärmebedarf wird in kWh pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Der Vergleich spricht für sich.
Als Grössenordnungen zu lesen: Von Standard zu Standard wird die Energiebezugsfläche unterschiedlich berechnet.
Heizwärmebedarf (PHPP-Kennwert). Der Passivhaus-Standard verbraucht 8- bis 10-mal weniger Heizenergie als ein unsanierter AltbauDer PHI-Grenzwert von 15 kWh/(m²a) betrifft allein den Heizwärmebedarf bezogen auf die TFA (PHPP). Er ist weder mit einer Minergie-Kennzahl noch mit gemessenem Verbrauch Heizung + Warmwasser vergleichbar.Passive House Institute (PHI), Darmstadt — Criteria for Buildings — Passive House, EnerPHit, PHI Low Energy Building, version 10c — Tableau 1, note 1. Plus und Premium haben denselben Heizwärmegrenzwert wie Classic: Sie unterscheiden sich durch die erneuerbare Primärenergie (PER ≤ 45 bzw. ≤ 30 kWh/m²·an) und die Erzeugung erneuerbarer Energie (≥ 60 bzw. ≥ 120 kWh/m²·an)PHI, Kriterien v10c, Tabelle 1: PER ≤ 60 / 45 / 30 kWh/(m²a) und erneuerbare Erzeugung ≥ – / 60 / 120 kWh/(m²a) für Classic / Plus / Premium. Keine Klasse ist als «Energieplus» definiert.Passive House Institute (PHI), Darmstadt — Criteria for Buildings — Passive House, EnerPHit, PHI Low Energy Building, version 10c — Tableau 1. Das MuKEn (frz. MoPEC) — die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich — ist die gemeinsame Grundlage, aus der jeder Kanton sein eigenes Energiegesetz ableitet: keine unmittelbar anwendbare Bundesnorm.
Was diese 15 kWh/m²·an sind — und was nicht. Es ist ein berechneter Heizwärmebedarf, bezogen auf die Energiebezugsfläche: ohne Warmwasser, ohne Gerätestrom, ohne Beleuchtung. Es ist also nicht die Zahl auf Ihrer Abrechnung, und sie lässt sich weder mit einer Minergie-Kennzahl noch mit einem am Zähler gemessenen Verbrauch direkt vergleichen.
Passivhaus oder Minergie-P? Beide zielen auf dasselbe Leistungsniveau, aber über zwei unterschiedliche Rechenwege: Passivhaus setzt einen absoluten Heizwärmebedarf — ≤ 15 kWh/m²·anPHI, Kriterien v10c, Tabelle 1: Heizwärmebedarf ≤ 15 kWh/(m²a) bezogen auf die TFA ODER alternativ Heizlast ≤ 10 W/m². Derselbe Grenzwert gilt für Classic, Plus und Premium.Passive House Institute (PHI), Darmstadt — Criteria for Buildings — Passive House, EnerPHit, PHI Low Energy Building, version 10c — Tableau 1 —, Minergie-P einen Prozentsatz: ≤ 70 % der Grenzwerte MuKEn 2025 (kantonale Umsetzung im Gang)Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 6.1, Tabelle: Minergie-P ≤ 70 % von Qh,li MuKEn 2025 im Neubau und ≤ 90 % bei Sanierungen, alle Gebäudekategorien, mit einer Untergrenze von 15 kWh/(m²a).Association Minergie — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, Version 2026.1, ch. 6.1, und verbietet fossile Brennstoffe für Heizung und Warmwasser, mit Ausnahmen (Reglement 2026.1)Minergie-Reglement 2026.1, Ziff. 8.1: Verbot fossiler Energieträger für Heizung und Warmwasser, mit vier Ausnahmen (Lastspitzen, WKK, Fernwärme ≤ 50 % fossil, Netzstrom).Association Minergie — Règlement des labels MINERGIE®/MINERGIE-P®/MINERGIE-A®, Version 2026.1, ch. 8.1. Welches der beiden anzustreben ist, was jedes genau verlangt und wie die Gleichwertigkeit nachgewiesen wird, behandelt das Dossier Energielabels →
Eine Sanierung nach dem Passivstandard ist möglich, doch die Rahmenbedingungen des Bestands — Geometrie, Struktur, unvermeidbare Wärmebrücken — erfordern Anpassungen. Der Standard EnerPHit (Passivhaus Institut) und Minergie®-P Renovation legen dafür spezifische Ziele fest.
EnerPHit-Zielwert : ≤ 25 kWh/m²·anPHI, Kriterien v10c, Tabelle 3 (Methode Heizwärmebedarf): 25 kWh/(m²a) in der Klimazone «cool-temperate» — die Westschweiz. Je Zone: 35 arktisch, 30 kalt, 20 warm-gemässigt, 15 warm.Passive House Institute (PHI), Darmstadt — Criteria for Buildings — Passive House, EnerPHit, PHI Low Energy Building, version 10c — Tableau 3, also 75 bis 90 % weniger Heizwärme als vor der Sanierung gemäss Passivhaus Institut, und mit unvergleichlichem Komfort.
Gültig für jeden Neubau und jede leistungsfähige energetische Sanierung: Die Logik der fünf Säulen bleibt der rote Faden.

Sanierung im Gang: Die Dämmung und die sorgfältige Ausführung der Gebäudehüllendetails bestimmen die letztliche Leistungsfähigkeit.
GenfIn Genf muss jeder Neubau mindestens den gesetzlichen Standard HPE erreichen; das Passivniveau wird über Minergie-P oder eine Passivhaus-Zertifizierung nachgewiesen.
SchweizMinergie-P ist das dem Passivhaus nächste Schweizer Label. Seine Schwellen sind Prozentsätze der MuKEn-Grenzwerte, keine absoluten kWh: Die Zahlen decken sich nicht.
Grenznahes FrankreichIm grenznahen Frankreich ist der Passivstandard nicht vorgeschrieben: Dort gilt die RE2020, die ein Passivhaus deutlich übertrifft.
Jede Zahl und jede Aussage in diesem Dossier ist belegt. Fahren Sie über eine Fussnote oder tippen Sie sie an, um die Quelle anzuzeigen.
Konzeption, Überprüfung der fünf Säulen, Begleitung Richtung Minergie‑P oder Passivhaus — sprechen wir darüber, am besten schon ab der Vorstudie.
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